normale Schrift einschaltengroße Schrift einschaltensehr große Schrift einschalten
 
 
 

Erweiterung der Anlagen 1957 – 2013

Die Liefermöglichkeiten sind bei der Strohgäu-Wasserversorgung durch die Beteiligung an den Fernwasserversorgungen gut abgesichert. Bei Gründung des Verbands im Jahr 1907 konnte der Wasserbedarf ausschließlich durch die Quellfassungen im Strudelbachtal gedeckt werden.

 

Heute stehen an Bezugsrechten dem Verband zur Verfügung:

ZV Landeswasserversorgung= 2.207.520 m³/a (70 l/s)

ZV Bodensee-Wasserversorgung=946.080m³/a (30 l/s)

Netze BW Wasser GmbH = 365.000 m³/a (11,6 l/s)

 

Hinzu kommt eine Fördermöglichkeit durch das eigene Wasserwerk in Studelbachtal von maximal 800.000 m³/a (25,4 l/s).

 

100 Jahre Strohgäu-Wasserversorgung

Aufgabe des Verbands ist jetzt dafür zu sorgen, dass die Wassermengen an den Ort des Verbrauchs transportiert werden können und dass ausreichender Speicherraum zur Verfügung steht. Die Wasserabgabe ist von 136.000 m³ im Jahr 1910 auf 2.056.200 m³ im Jahr 2006 angestiegen. Der Schwerpunkt der Investitionen des Verbands liegt daher vorrangig im Bereich der Leitungserweiterungen und -erneuerungen sowie dem Ausbau ausreichender Speicherkapazitäten.

 

30.10.1958:

Bodenseewasser fließt erstmals zum Behälter Horn.

 

1958/59:

Verstärkung der Zuleitung nach Hochdorf durch eine Leitung DN 150. Das Pumpwerk Hemminger Wald kommt außer Betrieb.

 

1960:

Bau des Behälters Seewald mit 1000 m³ Inhalt für die Hochzone von Korntal mit einem Windkesselpumpwerk und einer Zuleitung DN 200.

 

1960 und 1966:

Die Gemeinde Münchingen baut eine Verbindungsleitung DN 200 zwischen den Ortsteilen Kallenberg und Münchingen.

 

8.9.1961:

Beteiligungsquote bei der Bodensee-Wasserversorgung von 4 l/s auf 10 l/s (864 m³/d) erhöht.

 

1962/63:

Erweiterung des Behälters Münchingen.

 

1963:

Erweiterung des Pumpwerks Johannes-Daur-Straße.

 

1964/65:

Umbau des Pumpwerks Glemstal und Einrichtung einer Drucksteigerungsanlage zur Förderung des Landeswassers in das westliche Verbandsgebiet.

 

1964 bis 1966:

Verstärkung der Hauptleitung zwischen dem Behälter Münchingen und dem Hemminger Wald. Verlegung eines Fernmeldekabels vom Wasserwerk Strudelbachtal zum Behälter Münchingen. Überwachung sämtlicher Behälter im Wasserwerk.

 

1965:

Die Gemeinde Hemmingen baut eine neue Entnahmeleitung DN 250.

 

1966:

Im Wasserwerk Strudelbachtal wird die letzte Sauggas-Kolbenpumpe entfernt, dafür wurden eine neue Elektro-Kreiselpumpe und ein Notstromaggregat eingebaut.

 

1967:

Die Gemeinde Heimerdingen errichtet ein Windkesselpumpwerk.

 

1968/69:

Die Gemeinde Münchingen baut eine neue Entnahmeleitung DN 300.

 

1969/70:

Die Bodenseewasser-Versorgung verlegt ihre Nebenleitung Strohgäu, neue Anschlüsse an den Behältern Seewald und Münchingen.

 

3.5.1971:

Nach Fertigstellung der Erweiterung der Bodensee-Wasserversorgung Erhöhung der Bezugsrechte auf 30 l/s (2592 m³/d).

 

1971/72:

Bau einer Leitung DN 300 von der Landeswasser-Übergabestelle am Behälter Neuwirtshaus zum Behälter Münchingen.

 

1972/73:

Die Gemeinde Münchingen baut ein Windkesselpumpwerk.

 

16.3.1973:

Die Bezugsrechte bei der Landeswasserversorgung werden nach Fertigstellung des Wasserwerks Langenau erhöht:

Dauerbezugsrecht 1.766.000 m³/a (56 l/s)

Tageshöchstbezugsrecht 6047 m³/d (70 l/s)

 

1972/73:

Bau des neuen Behälters Hemmingen mit 2000 m³ Inhalt und Herstellung einer Fernmeldeverbindung zum Behälter Hochdorf.

 

1977/78:

Bau des Drucksteigerungspumpwerks Lerchenberg mit einem Saugbehälter von 1500 m³ Inhalt zur Verstärkung der Förderleistung in Richtung Hemmingen und Hochdorf. Bau eines Windkesselpumpwerks für die Gemeinde Schöckingen.

Hochbehälter Lerchenberg, Windkesselpumpwerk für die Versorgung von Schöckingen und das westliche Verbandsgebiet

 

1980 bis 1982:

Bau eines neuen Behälters Hohscheid für die Gemeinde Hochdorf mit 1500 m³ Inhalt.

 

1983:

Neuverlegung eines Fernmeldekabels zwischen Hoch-behälter Seewald und Hochbehälter Münchingen.

 

1984/85:

Erweiterung des Hochbehälters Heimerdingen und Neubau des Einsteighauses mit Rohrkeller. Der Behälter wurde durch den Neubau einer zweiten Behälterkammer um 1080 m³ auf 1720 m³ erweitert.

 

1987/88:

Umfassende Sanierung des Hochbehälters Horn mit Erneuerung des Einsteighauses.

 

1989/90:

Neubau einer 4,1 km langen Wasserleitung DN 300 vom Hochbehälter Hemmingen zum Hochbehälter Heimerdingen.

 

1991:

Seit 1991 wird das Wasser aus dem verbandseigenen Wasserwerk Strudelbachtal kontinuierlich mit dem Wasser der Landeswasserversorgung im Hochbehälter Heimerdingen gemischt, um die Härte des eigenen Trinkwassers aus dem Strudelbachtal zu mindern. Der Zweckverband Strohgäu-Wasserversorgung liefert an die Gemeinden Heimerdingen, Hemmingen, Hochdorf und Hardt-Schönbühlhof Mischwasser. Die Gemeinde Schöckingen wird mit Landeswasser und Korntal-Münchingen wird sowohl mit Bodensee- als auch mit Landeswasser in getrennte Versorgungszonen beliefert.

 

1995/96:

Neubau eines Werkstattgebäudes im Wasserwerk Strudelbachtal.

 

1995/96/97:

Umfassende Modernisierung und Erneuerung der Fernwirkanlagen und der Übertragungstechnologie im gesamten Versorgungsgebiet, zur verbesserten Betriebsüberwachung und schnelleren Übertragung von Störmeldungen in die Zentralwarte des Wasser-werks Strudelbachtal und den Unterzentralen.

 

1999/00:

Neuverlegung einer 3,35 km langen Leitung DN 300 vom ehemaligen Pumpwerk Glemstal über Behälter Lerchenberg zum Verteilerschacht 164 in Heimerdingen.

 

2000/01:

Erneuerung des Förderpumpwerks im Wasserwerk Strudelbachtal mit drei vertikalen Pumpen und zusätzlichem Druckwindkessel. Erweiterung des Rohrkellers sowie grundlegende Sanierung des Maschinenhauses. Neubau der Hauskläranlage im Wasserwerk Strudelbachtal.

 

2004/05

Erweiterung des Hochbehälters Seewald und Erneuerung zweier Zonenpumpwerke sowie Einbau einer „Pumpenturbine“. Durch den Anbau von zwei zusätzlichen Trinkwasserkammern wurde das Behältervolumen um 1000 m³ auf insgesamt 2000 m³ erweitert. Über den Behälter Seewald werden zwei getrennte Versorgungszonen des Stadtteils Korntal mit Landeswasser bzw. Bodenseewasser versorgt. Mit Inbetriebnahme des Behälterneubaus Seewald Ende 2005 wurde der stark sanierungsbedürftige Behälter Horn, über den bislang eine Versorgungszone Korntals beliefert wurde, außer Betrieb genommen.

 

 

PUMPEN EINSTEIG

 

ROHR

 

PUMPEN DEA_SEEW

 

 

2005 - 2013: Wasserwerksneubau

 

Die sich ergänzende Versorgung des Verbandsgebietes mit Eigen- und Fernwasser hatte seitdem in dieser Weise weitgehend unverändert Bestand, bis sich die Verbandsgremien Mitte des vorangegangenen Jahrzehnts veranlasst sahen, sich erneut Gedanken über die weitere nachhaltige Wasserversorgung und damit über die Zukunft des Zweckverbandes zu machen. Die Anlage im Strudelbachtal war in die Jahre gekommen und Sanierungsarbeiten standen an. Zusätzlich spielten inzwischen neue gesetzliche Bestimmungen, insbesondere auf EU-Ebene, sowie der verstärkt aus der Bevölkerung des westlichen Verbandsgebiets geäußerte Wunsch nach weicherem Wasser eine Rolle.

Als grundsätzliche Alternativen standen hierbei einerseits der Erhalt des Verbandes bei gleichzeitiger Sanierung und Modernisierung des Wasserwerkes im Strudelbachtal und andererseits die Auflösung und der Beitritt der bisherigen Verbandsmitglieder zu einem der beiden Fernwasserversorger im Raum. Die Prüfung und Abwägung der Alternativen erstreckte sich aufgrund der Bedeutung der Aufgabenstellung, aber auch wegen eines Wechsels in der Verbandsspitze sowie Komplikationen infolge der Finanzkrise über eine Zeitspanne von drei Jahren. In Anbetracht der Komplexität des Abwägungsprozesses und der beschriebenen Rahmenbedingungen eine nachvollziehbare und wichtige Diskussionsphase.

 

Am 7. Juli 2009 beschloss die Verbandsversammlung schließlich einstimmig den Erhalt von Verband und Wasserwerk sowie den Bau einer modernen Filteranlage im Wasserwerk Strudelbachtal. Für die Entscheidung waren folgende Gründe ausschlaggebend:

 

Die Gegenüberstellung der Alternativen hatte zwar gezeigt, dass eine Aufgabe der Wasserförderung im Strudelbachtal und ein vollständiger Bezug der benötigten Wassermengen durch Fernwasser die wirtschaftlich günstigste Variante gewesen wäre.

Hier muss man jedoch auch die richtige Vergleichsgröße suchen: Der Verband erbringt auch die Mehrleistung der Behälterbewirtschaftung, im Falle einer Fusion wäre diese als Sonderumlage den Verbrauchern in Rechnung gestellt worden. Wenn man einen harten Preisvergleich anstrebt und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen will, muss man also auch dies berücksichtigen.

Der wirtschaftliche Unterschied ist nicht erheblich und er hätte die mit der Auflösung des Verbandes verbundenen Nachteile nicht kompensiert. Problematisch wäre in diesem Zusammenhang insbesondere die durch die Aufgabe der Quelle im Strudelbachtal bedingte Reduzierung der Wasserbezugsmöglichkeiten gewesen: Bereits der Ausfall eines Fernwasserversorgers hätte Versorgungsengpässe bei unserem Lebensmittel Nr. 1 – dem Trinkwasser – verursachen können. Unabhängig davon ist der Trinkwasserbedarf nach den Bestimmungen des Wassergesetzes vorrangig aus ortsnahen Vorkommen zu decken. Dies gilt erst recht, wenn – wie im Strudelbachtal der Fall – das Wasservorkommen ergiebig und von guter Qualität ist. Darüber hinaus hätten sich bei einer Auflösung des Verbands unabschätzbare steuerliche und ausschreibungsrechtliche Risiken ergeben, die den Beitritt zu einem Fernwasserversorger möglicherweise gefährdet hätten. Zu guter Letzt hätten die Verbandsgemeinden als Mitglied eines der großen Wasserversorgungszweckverbände nur noch geringe Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Wasserversorgung vor Ort gehabt.

 

Der Verband entschied sich 2009 für den Bau einer Ultra- und Nanofiltrationsanlage und stellte dafür ein Projektbudget von 2,25 Mio. EUR bereit. Und um es vorwegzunehmen: Die tatsächlichen Kosten werden voraussichtlich um rd. 0,1 Mio. EUR darunter liegen. Der Projektplan wurde voll eingehalten, nicht nur hinsichtlich der Kosten – bei aller Bescheidenheit, für ein so großes und komplexes bauliches Projekt ist das nicht selbstverständlich, deshalb ebenfalls schon einmal an dieser Stelle vorweggenommen: für diese hervorragende und gewissenhafte Projektabwicklung gebühren Dank und Anerkennung der EnBW-Regional  für die technische Beratung und Unterstützung ebenso wie Herrn Gerlach als kaufmännischer Leiter unserer Verbandsverwaltung! Ohne die harmonische Zusammenarbeit dieser beider Partner wäre so ein rundum gelungenes Bauprojekt nicht denkbar!

 

Bei Planung, Bau und Betrieb des Wasserwerks wurden Innovationen verwirklicht, die auf den fünf Leitzielen der deutschen Wasserversorgung beruhen, nämlich: Sicherheit, Qualität, Kundenzufriedenheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

 

Durch den Neubau ist die Versorgungssicherheit im gesamten Verbandsgebiet gewährleistet. Insbesondere aber wird damit den Forderungen des Wasserhaushaltsgesetzes von Baden-Württemberg nach dem „Vorrang des Eigenwassers vor Fernwasser“ in der wasserwirtschaftlichen Planung und Versorgung der Bevölkerung Rechnung getragen. (§ 1a, Grundsatz, Abs. 3: „Durch Landesrecht wird bestimmt, dass der Wasserbedarf der öffentlichen Wasserversorgung vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken ist“.) Der gleiche Gedanke findet sich auch in den Leitlinien des Umweltministeriums, die den Erhalt und Ausbau der ortsnahen Wassergewinnung fordern.

 

Mit der Entscheidung zum Erhalt der Förderung im Strudelbach einher ging die Notwendigkeit zur Wahl neuer Filtrationsmethoden: Die Novellierung der Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2001 hat die gesetzlichen Anforderungen an die Nutzung oberflächennahen Grundwassers verschärft: Dieses muss seitdem einer erweiterten Aufbereitungsstufe zugeführt werden. Hier bot sich als Technologie die Ultrafiltration an.

 

Neben der gesetzlichen Pflicht erfolgt durch die neue Anlage auch noch die Kür: Eine zentrale Trinkwasserenthärtung im Wege der Nanofiltration. Somit erhalten alle Bewohner und Verbraucher im gesamten Verbandsgebiet weiches Trinkwasser zum selben Preis.

 

Die Kernanforderung aus den Leitzielen der deutschen Wasserversorgung, die der Nachhaltigkeit, wird mit der neuen Anlage in jeder Hinsicht erfüllt:  Durch die Investition sichert der Verband langfristig – wie beschrieben - die Zukunft der ortsnahen Eigenwassergewinnung. Die zentrale Trinkwasseraufbereitung geschieht zudem umweltverträglich und berücksichtigt auch noch weitere umweltrelevante Aspekte: Als Besonderheit gegenüber anderen Anlagen ist zu erwähnen, dass im Rahmen der Pilotversuche ein besonderes Augenmerk auf die Minimierung des Chemikalieneinsatzes gelegt wurde.

Und durch das weichere Wasser kann in den Haushalten mit Wasch- und Reinigungsmitteln sparsamer umgegangen werden, was nicht zuletzt auch der Abwasserreinigung in den Kläranlagen zugute kommt. Das weiche Wasser erhöht außerdem die Lebensdauer sämtlicher Geräte zur Warmwasseraufbereitung in den Haushalten, ein Aspekt des Ausgleichs zur notwendig gewordenen Kostensteigerung.

 

Alles in Allem basiert die Innovation im Wasserwerk Strudelbachtal somit auf geringerem Chemikalieneinsatz und umweltfreundlicher Technik.

 

Insgesamt zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht widersprechen müssen. Durch eine enorm raumsparende Bauweise ebenso wie durch viele weitere kleine und große technologische Innovationen ist das neue Wasserwerk ein Paradebeispiel für eine effiziente und wirtschaftliche Trinkwasseraufbereitung. Sowohl die Investitions-, als auch die prognostizierten Betriebskosten zeigen, dass die ortsnahe Eigenwassergewinnung und -aufbereitung eine wirtschaftlich konkurrenzfähige Alternative zum Fernwasser darstellt – und dies ohne staatliche Zuschüsse und Fördermittel.

 

Neues Wasserwerksgebäude

 

Am 19.04.2013 fand unter Anwesenheit von Umweltminister Franz Untersteller die Inbetriebnahme der neuen Wasseraufbereitungsanlage statt.

 

Einweihung